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Nach der Raumexplosion von Richard Hamiltons „Fun House“, das in allen sinnlichen Details inklusive Jukebox und Erdbeerduft rekonstruiert wird, betreten die Besucher mit der großen Ausstellungshalle des Kunstmuseums eine veritable „City of the Sixties“.In der 16 Meter hohen Halle sind Straßen, Plätze und Künstlerhäuser für die sehr individuell arbeitenden, jedoch nicht selten freundschaftlich und inhaltlich verbundenen Akteure der Kunst- und Kulturszene der „Swinging Sixties“ entstanden.

Von Anfang an ist die englische Variante reicher an Facetten, vielstimmiger als die amerikanische. Die Amerikaner zitierten die Motive ihrer Kunst aus der Realität ihrer Epoche – die Engländer wollten politisch und ästhetisch eine andere Wirklichkeit.Vor allem Richard Hamilton (1922–2019) sah als Theoretiker wie mit seiner Malerei und seinen Installationen in der Pop-Art die Chance, verkrustete Gegebenheiten, die Architektur nicht ausgenommen, kritisch zu unterlaufen.Zentrale Protagonisten wie Peter Blake, David Hockney, R. Kitaj und Allen Jones, etwas unbekanntere, jedoch wesentliche Mitstreiter wie Derek Boshier, Peter Phillips, Richard Smith, Gerald Laing, Patrick Caulfield, Antony Donaldson, Colin Self und Joe Tilson, aber auch die oft vernachlässigten, dezidiert weiblichen Positionen von Pauline Boty und Jann Haworth sind dort mit größeren Werkgruppen zu erleben.Stets geht es darum, die zahlreichen, heute meist vergessenen Querverbindungen zwischen den damals fluide werdenden Kulturformen und ihren kreativen Akteuren exemplarisch sichtbar zu machen.Genau 60 Jahre nach Richard Hamiltons bahnbrechender Multimedia-Installation „Fun House“, realisiert für die Ausstellung „this is tomorrow“ 1956 in London, vereint die retrospektive Überblicksschau „This Was Tomorrow“ im Kunstmuseum Wolfsburg in einer multimedialen Rauminszenierung Malerei, Skulptur, Collage, Architektur, Zeichnung, Installation, Film, Musik, Fernsehen und Fotografie zu einem umfassenden Panorama der Pop Art in Großbritannien.

In Deutschland war eine vergleichbare Retrospektive seit Jahrzehnten nicht zu sehen.

In der hohen Haupthalle des Kunstmuseums sind stilisierte Straßen, Plätze und Künstlerhäuser unterschiedlicher Zuschnitte entstanden, die die Nachbarschaften unterschiedlicher Positionen während der Swinging Sixties verdeutlichen. Dass der Pop Art auch Frauen gehörten, ist heute allerdings fast vergessen. Eine wirkliche Entdeckung ist Jann Haworth: Sie schuf lebensgroße Skulpturen, von denen ihr Lehrer Eduardo Paolozzi ihr riet, sie in Bronze zu gießen.

Die Künstlerin entschied sich jedoch, sie in „Stoff zu gießen“: Aus dem typisch weiblichen Material formt sie zum Beispiel einen lässig an einer Wand lehnenden Cowboy oder einen braungebrannten coolen Surfer - und demontiert mit dem weichen Material deren „stählerne Männlichkeit“!

„Wir haben ganz London auf den Kopf gestellt und eine Pop-Explosion der ersten Güte zusammengetragen“, sagte Beil gestern. Was konkret ist kunst- und kulturhistorisch neu und anders in dieser Ausstellung?

Der besondere Blick auf weibliche Akteure der Pop Art, der starke Fokus auf die eng mit der Kunstszene vernetzten Architekten Alison und Peter Smithson, Cedric Price, Archigram und die dezidierte Einbeziehung von Musik, Zeitschriftenkultur, Fernsehen und Film als gleichwertige Medien weiterer Grenzüberschreitung.

[…] Fröhliche Nostalgie ist unangebracht, rückwärtsgewandte Utopie fehl am Platz, eigentlich können einem die Tränen kommen angesichts von so starker Energie eines Aufbruchs.